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Wo Engel Bergmänner nach Hause führten: Im Erzgebirge leben jahrhundertealte Weihnachtstraditionen noch heute

Drucken 21.12.2011, 16:14 Uhr, Kunst & Kultur

Aus dem 18. Jahrhundert stammt der Brauch, Engels- und Bergmannsfiguren mit Kerzen ins Fenster zu stellen. Ursprünglich sollten sie den Bergmännern den Weg nach Hause erleichtern.
Keine andere Region steht so für die deutsche Weihnachtstradition wie das Erzgebirge. Nirgendwo sonst halten die Menschen ihre Bräuche, die oft in Zusammenhang mit Bergbau und Kunsthandwerk entstanden sind, noch so lebendig. Auch die zahlreichen weihnachtlichen Manufakturen tragen zum berühmten Charme der Region bei, indem sie mit ihrer Holzfigurenproduktion bis heute die regionale Tradition des weihnachtlichen Kunsthandwerks aufrechterhalten.

Beleuchtete Häuser, mit Räuchermännchen und Schwibbögen dekorierte Zimmer, der Geruch von Myrrhe, Weihrauch und frischen Plätzchen – im Erzgebirge ist das Idealbild der deutschen Weihnacht noch Wirklichkeit. Die besondere weihnachtliche Atmosphäre zieht jedes Jahr wieder zahlreiche Besucher an. Es überrascht wenig, dass hier auch die Wiege weihnachtlicher Holzkunst liegt: Nussknacker, Pyramiden und Weihnachtsengel sind Erfindungen aus dem Erzgebirge. Gleiches gilt für Schwibbögen, deren Form dem Mundloch, also dem Stolleneingang eines Bergwerkes, nachempfunden ist. Die Verbindung zwischen Holzkunst und Bergbau war in der Region schon immer sehr eng. „Als vor 300 Jahren der schleichende Niedergang im Bergbau eingesetzt hat, haben sich die Leute dem Schnitzen und Drechseln zugewandt“, erläutert Uwe Blank, Inhaber des Familienbetriebes C. Blank Kunsthandwerk und Fachmann für erzgebirgisches Brauchtum. „Zuerst hat man Gebrauchsgegenstände hergestellt, dann Spielzeug und schließlich Weihnachtsfiguren.“

Die Lebensumstände der Bergleute nahmen stets Einfluss auf das Kunsthandwerk in der Region. Bis heute hat sich beispielsweise der aus dem 18. Jahrhundert stammende Brauch erhalten, Engels- und Bergmannsfiguren mit Kerzen ins Fenster zu stellen. „Ursprünglich wurde damit den Bergmännern nach Schichtende in der Dunkelheit der Weg nach Hause erleichtert.“ Für jede Tochter des Hauses hat man einen Engel, für jeden Sohn einen hölzernen Bergmann ins Fenster gestellt.

Für Uwe Blank ist es ein wichtiges Anliegen, solche Bräuche und Traditionen zu erhalten. Dazu gehört auch, dass weiterhin hölzerne Weihnachtsgegenstände im Erzgebirge gefertigt werden. „Wir bilden auch noch selbst Spielzeugmacher aus. Und unsere Holzfiguren und -gegenstände werden nur aus heimischem Holz hergestellt“, betont Blank. Dies gilt auch für die in ganz Deutschland beliebten Faltenrockengel. In mehr als 150 einzelnen Arbeitsschritten werden die Engel aus über 17 Einzelteilen von Hand zusammengesetzt. Bemalt sind die Figuren mit traditionellen spirituslöslichen Kopallacken, bei denen nach jeder einzelnen Lackierung eine ganze Woche zur Trocknung benötigt wird. Der Erfolg gibt Uwe Blank recht: „Unsere Kunden honorieren es, dass wir unseren regionalen Traditionen und Qualitätsmaßstäben treu geblieben sind.“

Die Manufaktur C. Blank Kunsthandwerk ist ein Familienunternehmen, das weihnachtliche Holzkunst fertigt und in dritter Generation von Uwe Blank geführt wird. Gegründet wurde der Betrieb 1955 von Georg Beyer, dem Großvater des heutigen Inhabers, und dessen Partner Kurt Lehnert als Heimatkunst Kurt Lehnert KG. Zu DDR-Zeiten enteignet, wurde das Unternehmen nach der Wende zurückgekauft, umstrukturiert und ausgebaut. Heute fertigen rund 70 Mitarbeiter in Grünhainichen überwiegend in Handarbeit Schwibbögen, Nussknacker, Weihnachtspyramiden und Holzfiguren. Traditionsreichstes Produkt des Unternehmens sind die Faltenrockengel, die 1947 von Georg Bayer auf Grundlage eines Kinderbuchs gestaltet wurden. Seit 1955 werden sie mithilfe eines selbst entwickelten und patentierten Verfahrens gefertigt, bei dem das Holz geprägt, also in die charakteristische Form des Faltenrockes gepresst wird. Jedes Jahr werden zwei neue Figuren mit unterschiedlichen Musikinstrumenten herausgebracht; dieses Jahr ein Engel mit Violine und einer mit Schalmei. Bei der oft mehr als drei Jahre dauernden Entwicklung der Figuren werden Kundenwünsche mit berücksichtigt.


Autor / Kontakt:
Pressebüro Gebhardt-Seele
Frau Birgit Müllner
München
URL: http://www.gebhardt-seele.de

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